Corona-Pandemie, Coronomics, Denkanstöße, Prof. Dr. Philipp Bagus

Es ist beängstigend mit welcher Unbeschwertheit die Menschen elementare Freiheitseinschränkungen, wie die Einschränkung der Bewegungsfreiheit hinnehmen, wenn der Staat ihre Unabdingbarkeit erklärt.

 

Eine Chronologie der Ereignisse von Madrid. Am Sonntag, dem 08. März, wurde in Madrid eine Großdemonstration mit 120.000 Teilnehmern anlässlich des Weltfrauentags und gegen die angebliche Herrschaft des Patriachat durchgeführt, an der auch Regierungsmitglieder teilnahmen. Sie hatten zur Teilnahme aufgerufen. Nur einen Tag später wurde verkündet, dass ab Mittwoch, dem 11. März, Kindergärten, Schulen und Universitäten in Madrid geschlossen würden. Seit Sonntag, dem 14. März, herrscht Ausgangssperre, die mit Polizeigewalt durchgesetzt wird. Fahrradfahrer und Jogger, die sich an frischer Luft fit halten wollten, erhielten vielfach empfindliche Geldbußen. Selbst im privaten Garten unserer Appartmentblocks dürfen wir uns nicht mehr aufhalten, auch wenn die Familien sich mit der Nutzung abwechseln. In anderen Worten: Wir dürfen unseren eigenen Garten nicht mehr benutzen.

 

Die meisten Menschen scheint es wenig zu stören, wie der Staat ihre Freiheit verletzt. Sie stellen seine Autorität unsere Freiheit einzuschränken gar nicht in Frage. Vielmehr denunzieren sie jene, die sich frei bewegen und von ihren Eigentumsrechten Gebrauch machen wollen. Als in den Garten des Appartmentblocks einer Bekannten zwei Brüder Fußball spielten, wurde die Polizei gerufen. In unserem Falle wurde per Whatsapp ähnliches in Aussicht gestellt, als wir im Garten spielten.

 

Man denunziert die der Volksgesundheit schädlichen spielenden Kinder und hängt Plakate mit „Quédate en casa“ (Bleib zu Hause). Blockwartmentalität. Das Beunruhigende ist die hohe Anzahl der willigen Kollaborateure. Die Parallelen zur Vergangenheit werden nicht bemerkt. Es scheint niemanden zu interessieren und wird nicht einmal thematisiert.

 

Haben die Menschen nur genügend Angst, vertrauen sie sich ohne Murren einer (temporären) Diktatur an. Sie geben ihre Freiheit auf, in der Hoffnung durch weise und von Experten beratene staatliche Führer gerettet zu werden. Angst macht die Menschen beherrschbar. Anstatt gegen die Verletzung ihrer Eigentumsrechte zu protestieren, klatschen sie in Spanien jeden Tag um 20 Uhr. Anfangs galt der Applaus vor allem Ärzten und Pflegepersonal, mittlerweile mischen sich auch Hochrufe auf die Polizei darunter.

 

Die staatlichen Führer planen die Freiheitsbegrenzung zentral. Sie können nicht über die notwendigen Informationen verfügen, um eine rationale Antwort auf die Coronakrise zu geben. Sie berücksichtigen zwar die Vorteile der Ausgangssperre und der wirtschaftlichen Selbstabschaltung, die Kosten jedoch nicht. Denn sie sind auch gar nicht quantifizierbar.

 

Zu den unmittelbaren Kosten zählt, dass eine schnellere Immunisierung der Bevölkerung vermieden wird. Es gibt jedoch noch weitere gesundheitliche Kosten. Das Eingesperrtsein in den eigenen vier Wänden und die fehlende Bewegung werden unter anderem zu vermehrten Herz-Kreislauf-Krankheiten, Bluthochdruck, Schlaganfällen und Thrombosen führen. Besonders die psychische Belastung des Eingesperrtseins ist immens, die Kosten nicht abzuschätzen. Durch die Belastung werden Ehen geschieden und Familien zerfallen; Traumatisierungen und Depressionen geschaffen.

 

Auch der wirtschaftliche Zusammenbruch, der durch die politische Reaktion auf das Coronavirus ausgelöst wird, hat gesundheitliche Kosten, wie beispielsweise Unternehmer, die Herzinfarkte bekommen und Arbeitslose, die einer Depression oder dem Alkohol verfallen.

 

Und dann gibt es noch die wirtschaftlichen Kosten im engeren Sinne. Der Lebensstandard wird fallen, vielleicht beträchtlich. Das hängt auch davon ab, wie lange das Wirtschaftsleben abgeschaltet bleibt. Früher oder später werden Lieferketten auch bei lebensnotwendigen Medikamenten und Lebensmitteln gefährdet. Schon heute ist die Produktpalette in spanischen Supermärkten reduziert. Auch das kann Leben kosten. Weltweit wird ein Rückgang des Lebensstandards vor allem die Ärmsten der Armen treffen, deren Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten schlechter sein wird als mit einem höheren Lebensstandard.

 

Welche Hybris bei diesen nicht quantifizierbaren Kosten auf zentrale Planwirtschaft zu setzen und ein ganzes Land, ja ganze Kontinente lahm zu legen. Von dem (temporären) gewaltsamen Verschwinden der Freiheit ganz zu schweigen. Der Freiheit scheinen verängstigte Menschen wenige Tränen nachzuweinen. Der Weg zur Knechtschaft hat eine Abkürzung und sie heißt Angst.