Beiträge, Forschungsplattform Nullzinspolitik

Von Prof. Dr. Thomas Mayer

 

Mit dem Zins wird die Geduld belohnt. Das galt 5000 Jahre lang – bis die Notenbanken anfingen, die Geduld zu bestrafen.

 

„Die regelmäßigen Leser dieser Kolumne werden sich an meine Besprechung des Buchs von Sidney Homer und Richard Sylla erinnern, das die sich über fünftausend Jahre erstreckende Geschichte des Zinses erzählt (F.A.S. vom 18.9.2016). Die Autoren wollten, dass sich der Leser aus der Geschichte selbst eine Meinung über die Bestimmungsgründe des Zinses bildet, machten ihm aber auch einen Vorschlag. Der Zins, so meinten sie, könnte den Aufstieg und Fall von Nationen, ja ganzen Zivilisationen reflektieren: Hoch im Frühstadium der Entwicklung, solange noch höhere Unsicherheit über die Zukunft herrscht, danach ein Rückgang, wenn mit zunehmendem Entwicklungsstand das Gefühl, in sicheren Zeiten zu leben, steigt und schließlich ein abermaliger scharfer Anstieg beim Abstieg oder Scheitern der Zivilisation, wenn die Unsicherheit über die Zukunft jäh nach oben schießt. Sofern der Aufstieg und Niedergang historischer Zivilisationen mit einer positiven Entwicklung der Zivilisation insgesamt einhergeht, wäre eine langfristig fallende Tendenz der Zinsen plausibel.

Nach Friedrich August von Hayek führt die Erkennung von wiederkehrenden Mustern im zeitlichen Geschehen zur Bildung von Theorien. Vielleicht hat Ludwig von Mises das von Homer und Sylla beschriebene Muster bei der Entwicklung seiner Zinstheorie im Auge gehabt. Für Mises ist der ursprüngliche Zins reine Zeitpräferenz. Da unser Leben endlich ist, ist Zeit für uns ein knappes Gut. Deshalb wollen wir wirtschaftliche Ziele mit dem geringstmöglichen Zeitaufwand erreichen. Wenden wir mehr Zeit auf, sollte der Ertrag des angestrebten Ziels größer sein, als wir bei geringerem Zeiteinsatz erwarten können. Der Zins misst den Mehrertrag, der uns veranlasst, einen höheren Zeitaufwand zur Erreichung eines höherwertigen Ziels in Kauf zu nehmen…“

 

 

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Die Forschungsplattform Nullzinspolitik und Wirtschaftliche Ordnung verbindet Wissenschaftler, die sich im Geiste der Arbeiten von Friedrich August von Hayek mit den Folgen fortschreitender monetärer Lockerung und wachsender Staatsverschuldung auf die wirtschaftliche Entwicklung und wirtschaftliche Ordnung in den Industrieländern und aufstrebenden Volkswirtschaften befassen. Ziel ist es, im Dialog untereinander und mit der interessierten Öffentlichkeit langfristige Lösungskonzepte für die derzeitige Krise zu erarbeiten.