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Die Hayek-Gesellschaft beklagt den überraschenden Tod ihres früheren Vorsitzenden und zuletzt Ehrenvorsitzenden.

 

Wolf Schäfer hat das Amt 2015 in schwieriger Lage übernommen und sicher bis 2019 durch kritische Zeiten geführt.

 

Er war ein liberaler Streiter von Eleganz und Format, ein starker ordnungspolitischer Denker und besonders auch ein zuverlässiger Freund und Gentleman. Er war der vierte Vorsitzende unserer 1998 gegründeten Gesellschaft.

 

Wir werden immer gern an ihn denken.

 

Der Vorstand der Friedrich August von Hayek-Gesellschaft
Berlin, am 25. Februar 2020.

 

 

 


Nachrufe:


 

Frankfurter Allgemeine Zeitung:

Die Sorge um Europas Währung hat ihn früh umgetrieben und nicht mehr losgelassen. Als einer der Ersten hatte der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler auf die ökonomischen Schwachstellen des von Kanzler Kohl zügig vorangetriebenen Einigungsprojekts hingewiesen. Zusammen mit der Wirtschaftsprofessorin Renate Ohr formulierte er kurz vor den Maastricht-Beschlüssen 1992 seine Bedenken in deinem in der F.A.Z. publizierten Manifest, das 60 Kollegen unterzeichnet hatten. Die überhastete Euro-Einführung werde „Westeuropa starken ökonomischen Spannungen aussetzen“, die zur politischen Zerreißprobe führen und das Integrationsziel gefährden könnten, warnten sie. Die Euro-Krise sollte ihnen recht geben, auch wenn sich nicht alle Kritik bewahrheitete.

Triumphgeheul lag Schäfer fern, auch schmerzte ihn der Vorwurf der Europa-Feindlichkeit. Als ordnungspolitisch ausgerichteter, freiheitsliebender Ökonom wollte er den Euro nicht verhindern, sondern seine Konstruktionsfehler beheben. Geboren 1941 in Hamburg, hatte Schäfer 1970 bei Ernst Schneider am Institut für Weltwirtschaft in Kiel promoviert über den „Euro-Dollar“, die Habilitation folgte über Schattenwechselkurse. 1981 übernahm er an der Helmut-Schmidt-Universität seiner Heimatstadt den Lehrstuhl für Theoretische Volkswirtschaftslehre. Auch nach seiner Emeritierung 2005 beteiligte er sich rege an der wirtschaftspolitischen Debatte.

Schäfer stellte sich aber auch der heiklen Aufgabe verschrieben, die liberale Hayek-Gesellschaft zu stabilisieren. Sie hatte 2015 einige ihrer renommiertesten Mitglieder verloren durch einen Richtungsstreit, in den Abgrenzungsfragen zur AfD hineinspielten. Schäfers ausgleichendes Naturell und die Konzentration auf Sacharbeit wirkten stabilisierend, so dass er den Vorsitz im Vorjahr beruhigt in jüngere Hände legte. Am Samstag ist Schäfer in Kiel im Kreis seiner Familie mit 78 Jahren gestorben.

 


 

Barbara Kolm vom Friedrich A. von Hayek-Institut (Wien):

„Im Namen des Vorstands und der Mitglieder des Friedrich A. v. Hayek Instituts und persönlich antworte ich auf diese traurige, unerwartete Nachricht.

Unsere Wünsche gelten der Familie und den Freunden in diesen schweren Tagen!

Prof. Wolf Schäfer war zweifelsohne einer der großen Denker im liberalen Umfeld und sein Tod bedeutet einen großen Verlust nicht nur für die Hayek Gesellschaft sondern weit darüber hinaus für die liberale Familie in Europa.

Bei vielen Gelegenheiten habe ich eine ruhig vorgetragene, von tiefen Erkenntnissen gekennzeichnete, überzeugte und überzeugende Rede von diesem außergewöhnlichen Denker hören dürfen. Oft habe ich gewünscht, dass die ihm so eigene Unaufgeregtheit ansteckend wirken möge. Heute hoffe ich, dass der Diskurs im liberalen Netzwerk im Gedenken an und im Sinne von Prof. Dr. Wolf Schäfer weitergetragen wird.

Besonders gut in Erinnerung habe ich ein Gespräch mit Prof. Schäfer über die Wortschöpfung Coopetition. Ohne den Zusammenhang oder den Inhalt wiedergeben zu können, weiß ich noch genau, wie seine Worte mir deutlich zeigten, wie sehr ihn die Gegensätzlichkeit, die andere Sichtweise interessierte. Er ließ kein Argument zu, das nicht bis zum Ende durchdacht war.

Wolf Schäfer wird in unseren Reihen sehr fehlen, wir danken ihm und werden ihn stets in bester Erinnerung behalten!

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Barbara Holm
F. A. v. Hayek Institut“

 


 

Prof. Dr. Thomas Bruha vom Europa-Kolleg Hamburg:

„Am 22. Februar 2020 verstarb unerwartet nach kurzer schwerer Krankheit unser Kollege und Freund Prof. em. Dr. sc. pol. Wolf Schäfer im Alter von 78 Jahren im Kreis seiner Familie in Kiel. Die Nachricht von seinem plötzlichen Tod erschütterte uns. Nur wenige Monate zuvor hatten wir ihn noch in seiner beeindruckenden Vitalität, Schaffenskraft und Lebensfreude erlebt. Wolf Schäfer war von 1981 bis 2006 Inhaber der Professur für Theoretische Volkswirtschaftslehre an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und hat in dieser Zeit enge Beziehungen zum Europa-Kolleg Hamburg entwickelt. 1999 wurde er in das Kuratorium der Stiftung gewählt. Von dort wechselte er 2003 in das Direktorium des Institute for European Integration, dem er bis zu seinem Tod angehört und dessen Arbeiten er in Forschung, Lehre und Öffentlichkeitsarbeit ideenreich mitgestaltet hat.

Wolf Schäfer wurde am 14. Juli 1941 in Hamburg geboren. Von 1963 bis 1968 studierte er Volkswirtschaftslehre an der Christian-Albrechts-Universität Kiel und der Freien Universität Berlin. Anschließend wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW Kiel) und wissenschaftlicher Assistent am Institut für Theoretische Volkswirtschaftslehre an der CAU. Hier promovierte er 1970 beim früheren Präsidenten des IfW Kiel Erich Schneider über den „Euro-Dollar“. Hier wurde er 1977 mit einer Abhandlung über Schattenwechselkurse habilitiert. Nach verschiedenen akademischen Stationen im In- und Ausland wurde er 1981 an die HSU Hamburg berufen, deren Vizepräsident er von 2003 bis 2005 war.

Die „Kieler Schule“ durch die Wolf Schäfer gegangen ist, hat ihn zu einem starken ordnungspolitischen Denker und engagierten liberalen Streiter in der Tradition von Friedrich August von Hayek reifen lassen. Er liebte das theoretische Florettspiel gleichermaßen wie die praxisorientierte wirtschaftspolitische Arena in der seine Stimme großes Gewicht hatte. Das machte ihn zu einem geschätzten Gesprächspartner, Berater und beliebten akademischen Lehrer. Seine „Fehde“ gegen die seines Erachtens verfrühte Einführung des Euro unter den im Maastricht Vertrag niedergelegten Konditionen und realpolitischen Umständen bereicherten über Jahre das Forschungs- und Lehrprogramm des Europa-Kollegs und sorgten für permanenten „Diskussionsstoff“. Unvergessen sind auch die drei „Hayek Konferenzen“, welche auf seine Initiative als geschickt agierender Vorsitzender (und später Ehrenvorsitzender)  der Friedrich A. von Hayek Gesellschaft jeweils in der letzten Juniwoche der Jahre 2017, 2018 und 2019 in Kooperation mit dem Europa-Kolleg Hamburg und der Universität Hamburg in unseren Räumlichkeiten am Windmühlenweg durchgeführt wurden.

Mit dem plötzlichen Tod von Wolf Schäfer verlieren wir nicht nur einen exzellenten Wissenschaftler, Brückenbauer und Förderer des interdisziplinären und internationalen Dialogs. Wir verlieren auch einen liebenswürdigen,  den schönen Seiten des Lebens zugewandten  Menschen, dem der persönliche Kontakt zu seinen Kollegen, Freunden, Schülern und Weggefährten viel bedeutete. Wir werden Wolf Schäfer sehr vermissen.

Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau, den drei Kindern und der ganzen Familie.“

 


 

Prof. Dr. Stefan Kooths, Vorsitzender der F. A. von Hayek-Gesellschaft, auf Twitter:

„Die Hayek-Gesellschaft trauert um ihren Ehrenvorsitzenden, Prof. Dr. Wolf Schäfer, der gestern nach kurzer schwerer Krankheit verstorben ist. Wir haben einen unermüdlichen Streiter für eine liberale Gesellschaft verloren, einen klugen Denker und einen liebenswerten Freund.“

 


 

Dr. Michael von Prollius, Mitglied der F. A. von Hayek-Gesellschaft, auf Facebook:

„Die Welt ist um einen feinen Hanseaten ärmer.
Prof. Wolf Schäfer (1941-2020) ist gestern nach kurzer schwerer Krankheit gestorben.
Als liberaler Ökonom hat er vielen Studenten, Doktoranden und interessierten Zuhörern Wege zu einer besseren Welt aufgezeigt – über Jahrzehnte an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg, deren Vizepräsident er zeitweilig war. Als Vorsitzender der Hayek-Gesellschaft kümmerte er sich um ihre konstruktive und integrative Entwicklung vorbildlich, zuletzt als Ehrenvorsitzender. Es ist sehr, sehr schade, dass ein so guter, bei vorbildlich hanseatischer Haltung warmherziger und kluger Mensch von uns gegangen ist.
Hier einige Worte von ihm zur Friedrich August von Hayek Gesellschaft => https://www.youtube.com/watch?v=A2gAnCQsn5o

 

 

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