Hayek-Tage 2014

Bei schönstem Wetter und in bester Stimmung fanden die diesjährigen Hayek-Tage einmal wieder in der Hayek-Hauptstadt Freiburg statt. Höhepunkt war wie immer die Verleihung der Hayek-Medaille am Festabend in Dattlers Schloßbergrestaurant an Geoffrey Brennan, einen der bedeutendsten Vertreter der konstitutionellen Ordnungsökonomik (neben James Buchanan und Gordon Tullock) sowie an Dr. Rainer Hank, derzeit Chefredakteur der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Gute Resonanz fanden auch der Nachwuchsworkshop, die politische Vorlesung von Marina Masoni und das abschließende Symposion.

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde,

die Idee der Freiheit ist ein großes Negativum. Freiheit bedeutet zuvörderst Abwesenheit von Zwang. Vielen Menschen ist das aber nicht genug. Wo bleibt das Positive, um mit Erich Kästner zu sprechen? Was hilft schon die Abwesenheit von Zwang, seufzen diese vom Leben leidgeprüften Menschen, wenn man nicht weiß, wie man seine Freiheit nutzen soll? Wenn das gesellschaftliche Gefüge dann erst recht ins Rutschen zu geraten droht? Ja, Freiheit ist in der Tat anspruchsvoll. Freiheit ist sogar, das ist nicht zu leugnen, eine blanke Zumutung – die Zumutung, den positiven Inhalt des Freiheitsbegriffes für sich selbst entdecken zu müssen. Unter Marketinggesichtspunkten indes haben es Freunde der Freiheit genau deshalb aber schwer. Das ist nun einmal so.

Und noch etwas macht uns das Leben schwer. Wir sind nicht nur negativ, wir sind auch schrecklich defensiv. Immer gilt es die Freiheit zu verteidigen, für sie zu kämpfen. Wir wittern Gefahren hier und da, stemmen uns gegen Entwicklungen, die uns bedrohlich erscheinen. Man könnte sich zwar im Grunde darüber freuen: Wenn man die Freiheit verteidigen muss, heißt das ja, dass man ihrer tatsächlich schon einmal habhaft geworden ist. Das man sie gar nicht mehr erobern muss. Aber nein, die ständige Verteidigerei gibt den Freunden der Freiheit ein griesgrämiges Image. Und, was uns gar nicht schmecken kann, ein konservatives.

Man mag das alles bedauern. Aber es hilft nichts. Es ist, wie es ist. Dass sie eben keine konkreten Lebensentwürfe propagiert, genau das ist eben das Wesen der liberalen Philosophie und muss es auch bleiben. Alles andere wäre Verrat an ihrem Kern. Und dass wir auf der Hut sind und ein feines Sensorium für Bedrohungen der Freiheit entwickelt haben, ist gut so. Hätten wir es nicht, wären wir vielleicht noch blauäugiger, als wir es jetzt schon sind. Blauäugig, satt und verwöhnt und deshalb weniger wachsam gegenüber den Entgleisungen der heimischen Politik, aber auch gegenüber den großen unterschwelligen gesellschaftlichen Veränderungen und tektonischen Verschiebungen in der Geopolitik.

Gemeint ist einerseits der zunehmende Paternalismus der Regierung, wo wirtschaftspolitische Fehlentscheidungen mit einer zunehmenden Einengung von Freiheitsräumen einhergehen, siehe Renten, siehe Mindestlohn, siehe Geldpolitik, siehe Europa allgemein. Es kann einen wahrhaft schaudern. Gemeint sind aber auch die Fragen, die mit dem Themenkomplex „Big Data“ einhergehen und über die hier morgen noch ausführlich zu diskutieren ist. Und schließlich sind die brodelnden Kräfte der illiberalen Reaktion im Ausland gemeint. All dies zwingt uns aufzuwachen. Und uns nicht länger groß damit aufzuhalten, dass wir im Vergleich zu anderen so schrecklich defensiv daherkommen. Wenn schon. Verteidigung ist das Gebot der Stunde.

Wer heute noch frohen Mutes an die „Arabellion“ denkt und die Freiheit in der Welt auf dem Vormarsch sieht, der hat einen dramatischen globalen Trend verschlafen. Längst haben sich die unglaubwürdigsten Partner gegen den Wertekanon der freien Welt verbündet, längst ist eine neue Form des Totalitarismus am Erblühen und droht auch uns langfristig zu überrollen. Dabei spielt der alte Gegensatz zwischen „rechts“ und „links“, zwischen „kapitalistisch“ und „sozialistisch“ keine Rolle mehr. Es geht nur noch um „frei“ oder „totalitär“. Es ist bodenlos. Russland hat sich ostentativ in die Liga der totalitären Staaten eingereiht, wo die starke Hand eines willkürlichen Herrschers den Menschen mehr Heil verspricht als die Freiheit. Viele Menschen dort wollen offenbar nationale Größe, staatliche Macht, geopolitische Bedeutung, vor allem aber eine konservative, nein, schlimmer, eine archaische, zum Teil mystisch unterlegte Ordnung der Gewalt. Dass die antiliberale Reaktion so weit geht, dass Demokratie mit Faschismus gleichgesetzt wird und Homosexuelle und andere Minderheiten geächtet und verfolgt werden, ist ein gravierender zivilisatorischer Rückschritt, über den man weinen möchte.

In gewisser Weise sind diese Kräfte gar nicht weit entfernt von den fanatischen Islamisten, die bis zu den Zähnen bewaffnet sind und Afrika, große Teile Asiens und des Mittleren Ostens unsicher machen, angefangen von den Taliban über die sunnitischen Isis-Kämpfer bis hin zu den Boko-Haram-Kämpfern in Nigeria. Denn das sind ebenfalls Kräfte, denen nur eines vorschwebt, nämlich die Vernichtung der Freiheit und der westlichen Werte sowie deren Ersetzung durch die brutale Ordnung einer starken Hand. Man möchte sich immer trösten, das alles sei weit weg. Ja, noch. Aber die Bomben dieser Leute reichen bis zu uns. Die Gefahr ist real, sie kann auch für uns existentiell werden und ist es für die Bevölkerung vor Ort schon längst. Auch deshalb ist Verteidigung keine Schwäche, sondern ganz im Gegenteil das Gebot der Stunde.

Wenn die Welt schon so düster aussieht, ist es gut, wenn es Menschen gibt, die sich unverdrossen für die Freiheit einsetzen. Denn zu jeder Verteidigung braucht es Munition. Vor allem und an erster Stelle intellektuelle Munition. Nur wenn man weiß und begründen kann, warum Freiheit wichtig ist, wie eine Ordnung der Freiheit aussieht und wie wir sie erhalten können, ist man auch in der Lage, überzeugend für sie zu werben, nach innen wie nach außen. Wir haben die Freude und Ehre, heute mit Hilfe unserer großzügigen Gönner wieder einmal zwei herausragende Persönlichkeiten mit der Hayek-Medaille auszeichnen zu dürfen, die hierzu wichtige Beiträge geleistet und ihre Arbeit dem Werben für eine „Verfassung der Freiheit“ verschrieben haben: einen Wissenschaftler und einen Publizisten, Geoffrey Brennan und Rainer Hank.

– Karen Horn

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